Temperatur: 30° und wolkenlos. in der Sonne 35-40°
Ich liege einen Tag nach meinem längsten Tag mit einem Sonnenbrand auf der Schulter im Bett und lasse den gestrigen Tag Revue passieren und versuche alles in Worte zu fassen so lange die Erinnerung noch frisch ist.
Der Ironman Nizza 2010 ist Geschichte. Ich habe nur den Vergleich mit Halbdistanzen und dem Ironman in Klagenfurt. Diese waren im Vergleich harmlos gegen meinen Tag hier in Nizza.
Aber eins vorweg ich mag es wenn es dreckig und gemein ist und das war es…
ERGEBNIS:
Am Ende schaute Platz 215 overall raus. 200 war mein Ziel, also passt das. Am meisten freut mich, das ich bester Österreicher geworden bin. Die Zielzeit 10:35 ist keine berauschende, aber in anbetracht der Strecke und der Verhältnisse bin ich mehr als zufrieden obwohl ich mit einer SUB10 spekuliert habe. Aber wieder hat mich der Ironman und die Strecke in Nizza Demut gelehrt.
SWIM: 1:14 (Platz 1100):
Meine Ziele musste ich schon im Wasser revidieren. 2500 Starter auf einer Breite die nur halb so breit war wie in Klagenfurt führte gleich zu Platzmangel im Wasser, es war ein Gerangel, drüber- und drunterschwimmen und Füße runter drücken vom ersten bis zum letzten Meter, dazwischen gab es Phasen wo ich den freien Raum gefunden habe oder besser gesagt in diesen hinein geschwommen bin. Dadurch habe ich auch ein wenig mehr als die 3,8km bewältigt. Im Endeffekt standen 1:14 anstatt geplanter 1:10 auf der Uhr. Das Schwimmen habe ich ein wenig verpennt da wäre mehr drin gewesen…
T1:
Die Wechselzone in Nizza ist lang, da die Räder nur in einer Reihe aufgestellt sind. Trotzdem flott durch und ohne Komplikationen.
BIKE: 5:32 (Platz 330)
Danach ging es auf das Rad, Wechselzone war problemlos. Raus aus Nizza war ein schmaler Streifen von der Promenade abgesperrt, der auch gereicht hätte, aber irgendwie muss bei der Wettkampfbesprechung die Linksfahrordnung ausgegeben worden sein und so war die Radfahrt schon zu Beginn von riskanten Durchschlängeln gekennzeichnet. Nach ca. 20km ging es in den ersten Anstieg der kurz aber dafür knackig war. An diesem war ich das erste mal über meine Übersetzungswahl (11-25) glücklich. Die Strecke war für den öffentlichen Verkehr so halb abgesperrt. Es überholten immer wieder mal Motorräder und Autos die nix mit dem Ironman zu tun hatten oder Autos kamen entgegen. Zwei mal musste ich sogar Autos überholen. Schon bei der ersten Bergabstrecke vor dem großen Aufstieg bekam ich den Eindruck wie es heute zur Sache gehen wird. Die Gruppe in der ich war schenkte sich wenig und es wurde beherzt gefahren, kein Vergleich zu den Veranstaltungen die ich bis jetzt kannte wo die Leute bergab sehr defensiv unterwegs waren. Kommt glaub ich daher, das die Teilnehmer größtenteils aus südlichen Ländern kamen (Spanien, Frankreich,…) wo das Radfahren und im speziellen das Bergfahren eine größere Tradition hat als bei uns. Auf jeden Fall konnte ich bei der wilden Hatz gut mithalten. Risiko war hoch den auch bergab fuhren einige soweit links das man rechts auf die andere Straßenseite musste und da die Strecke nicht komplett gesperrt war musste man immer warten bis man weit genug sah. Das Bergabfahren war so nicht entspannend sondern forderte 100% Konzentration, die gefallenen Krieger auf dem Straßenrand zeugten von der Gefährlichkeit.
Kilometer 50, der Berg, 20km stetiger Anstieg mit ca. 1000Hm lagen vor uns und die Temperatur und die Sonne stiegen unerbittlich. Für mich war dies doppelt bitter da ich keine Sonnentrainingstage in Österreich hatte. Zu dieser Zeit hatte ich meine Leistungsgruppe gefunden und es gab kein stetiges überholen mehr. Es lief eigentlich problemlos, gekämpft und geflucht habe ich, aber wer hat das an diesem Tag nicht. Ich bin sehr gut rauf gekommen und habe auch sehr viele überholt. Je länger der Berg wurde umso besser bin ich gegen die anderen hoch gekommen, ich mags halt wenn es hart und gemein wird.
Ab km 100 ging die große Abfahrt los. In einem Satz – bist du deppert – Schon „total“ fertig von den Höhenmeter, Schmerzen im Kreuz und großer Hitze ging die wilde Hatz wieder los. Dazu die Streckenverhältnisse mit Schlaglöchern, Bremshuppeln und diversen anderen Hindernissen. Es lagen zahlreiche Ausrüstungsgegenstände der Teilnehmer in der Gegend herum die nicht perfekt befestigt waren, so ein Gerumpel war dies.
Unten angekommen ca. 20-30km vorm Ziel hatte sich ein Packet von ca 50 Teilnehmer gebildet. Ich blieb hinten und schaute es mir mal an. Die Richter hatten keine Chance dieses aufzulösen und gaben auf. Ein älterer Wettkamprichter hat mich dann sogar in das Paket hinein gewunken :D
Generell war dies mein erstes Radrennen, mit Triathlon und den Regeln hat diese Veranstaltung nichts zu tun (zumindest im Agegrouper Feld). Den Teilnehmern ist auch kein Vorwurf zu machen, es geht einfach nicht anders. Ich hatte damit kein Problem da es alle gemacht haben, wer mit Gruppenfahren beim Triathlon ein emotionales Problem hat sollte diese Veranstaltung meiden. Aber ich denke es hat auch nicht soviel Auswirkungen wie auf einem flacheren Kurs, da es hier in Nizza fast immer bergauf oder –ab geht. Flach ist es nur zu Beginn, am Ende und ein kurzes Stück auf einen Hochplateau. Am Ende rollte ich mit 5:32 in die Wechselzone, meine großes Ziel die SUB10 hatte ich da schon abgeschrieben den ein SUB3 Marathon würde sich bei der Hitze nicht ausgehen.
T2:
Füße und Kreuz schmerzten und ich konnte mir nicht vorstellen zu laufen nach dem ich vom Rad abgestiegen bin. Trotzdem wieder schnell durch. Es gibt im Zelt Sonnencreme für die Teilnehmer, ich habe dieses Service leider nicht in Anspuch genommen.
RUN 3:32 (Platz 215):
Auf der Laufstrecke war es brutal…Eine Strecke die gerade ist (man sieht fast von einem Ende zum Anderen, ohne Schatten, zum schönen Flughafen führt und 4 mal zu laufen ist. Ich bin noch nie eine Marathonstrecke gelaufen die im Kopf anstrengender war als diese. In der ersten Runde hatte ich Probleme mit Seitenstechen, in der 2ten mit dem Magen diese wurden durch Umstieg auf Cola aber gelöst, in der 3ten war die Gesamtsituation zum kotzen. Es gibt in der Langdistanz beim Marathon schlechte Zeiten und ganz schlechte Zeiten, in dieser Runde waren es ganz schlechte. Am Ende machten die Oberschenkel zu, die 4te habe ich damit verbracht zu hoffen das die Schenkel nicht komplett aufgeben, LaufABC mit anfersen hat ein wenig Linderung gebracht, weiters habe ich oft Laufstill gewechselt…halt alles was man in Verzweiflung so tut…An Endzeiten/Platzierungen hatte ich an der Laufstrecke nicht mehr gedacht ich wollte in der Hitze einfach nur überleben. Auch auf der Laufstrecke gab es zahlreiche Gefallene zu betrauern, manche nahmen ihre Niederlage gelassen, manche konnten es nicht fassen und lagen weinend am Wegesrand.
ORGANISATION:
Die Organisation in Nizza ist auch nicht mit Klagenfurt zu vergleichen, Dinge laufen hier anders auf das muss man gefasst sein. Weiteres wird der Ironman in Nizza nicht wirklich promoted. Werbung, Wegweiser, etc wird man fast nicht finden…ich hatte das Gefühl er findet einfach statt und das war es. Der Hotelrezeptionist in unserem Hotel wusste nicht mal davon, obwohl das Hotel auf der Promenade war wo die Veranstaltung abgehalten wurde.
Es gibt z.B. keine Extraparkplätze, zu empfehlen sind die Parkgaragen, eine direkt vor dem Start, kosten ca. 20 (5:00-19:00) und ersparen Stress. Zu meiner Verwunderung waren diese nicht voll.